Lust auf ein kleines Rätsel? Wie nennt man eine Frau mit Fischflosse anstelle von Beinen? Meerjungfrau. Wie nennt man einen Mann mit Fischflosse? Meerjungmann? Meerjunge? Meerjungfraumann? Und noch ein bisschen schwieriger wird’s jetzt für Nutzer eines Pixel-Smartphones. Für die hat Google Anfang Mai nämlich 53 neue Emojis als Beta-Version veröffentlicht. Aber nicht irgendwelche, sondern: Gender-fluide Emojis. Also kleine Comic-Bilder von Schwimmern, Vampiren, Sportlern und Co., die weder eindeutig Mann noch Frau darstellen. Auf diese Weise will Google die Emoji-Tastatur übersichtlicher gestalten. Aber sind weniger bunte Bildchen auf der Smartphone-Tastatur wirklich der einzige Grund für Gender-fluide Emojis? Und woher stammen sie überhaupt? Was ist der Unterschied zwischen Smiley, Emoticon und Emoji? Fragen über Fragen … und hier kommen alle Antworten rund um die Entwicklung der Emojis.

Die Geburtsstunde in der Emoji-Geschichte

Infografik: Was bedeuten Aubergine, Pfirsich oder Shrimp als Emoji im Messenger?
Die meisten Personen finden Emojis beim Messaging lustig und hilfreich.

Kaum zu glauben, aber 1881 wurde bereits der Grundstein für die Entwicklung der Emojis gesetzt. Das Magazin Puck hatte vier Strich-Gesichter abgedruckt: je eins für Freude, Melancholie, Gleichgültigkeit und Erstaunen. Das Ganze nannte sich damals typografische Kunst. Wir können die vier Piktogramme aber getrost als die ersten Emoticons aller Zeiten in der Entwicklung der Emojis bezeichnen. Moment mal: Emoticons, Emojis, Emo-was? Sogenannte Emoticons sind die Vorläufer in der Emoji-Geschichte. Aber dazu gleich mehr.

Schauen wir uns erst den nächsten Schritt in der Entwicklung der Emojis an: Anfang der Sechzigerjahre ebnete Harvey Ball den Weg zum wohl bekanntesten Emoji der Welt. Als Gründer einer Werbeagentur entwickelte er für einen Kunden das Symbol guter Laune. Schritt zwei in der Entwicklung der Emojis liegt im Jahr 1963: Ball erfindet den weltberühmten, kugelrunden gelben Smiley. Der tatsächliche Emoji-Erfinder ist er in der Emoji-Geschichte allerdings nicht. Apropos Symbol guter Laune: Heute ist die Bedeutung der Emojis häufig nicht mehr so eindeutig wie früher, wenn wir uns die wahre Bedeutung von Aubergine, Pfirsich und Co. genauer anschauen …

Was ist der Unterschied zwischen Emoji und Emoticon?

Zurück zum Begriff „Emoticon“. Was soll das sein? Bereits Anfang der 1980er-Jahre erschien es zum ersten Mal auf der digitalen Bildfläche. Vielleicht sagt dir der Name „Emoticon“ nichts. Wenn du es aber siehst, kennst du es garantiert. Ein kleiner Tipp: Anders als die Emojis von heute sind Emoticons um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht und bestehen nur aus Satzzeichen …

1982 setzt sich die Emoji-Geschichte fort: Der US-amerikanische Informatiker Scott Fahlman wollte dafür sorgen, dass jeder weiß, ob eine Nachricht ironisch oder ernst gemeint ist. Und führte deshalb die Emoticons „:-)“ und „:-(“ ein. Dieser Trend setzte sich auch schnell in Online-Foren durch und trieb die Entwicklung der Emojis weiter voran. Doch auch Scott Fahlman ist nicht der eigentliche Emoji-Erfinder. Übrigens: Emojis und Emoticons haben gemein, dass sie Missverständnisse aus der Welt schaffen sollen. Wenn wir eine Textnachricht lesen, fehlen uns nämlich Infos rund um die Mimik, Gestik und Betonung unseres Gegenübers. Da können wir eine nett gemeinte Frage schnell mal als schnippisch oder unverschämt auffassen. Emojis und Emoticons sollen dafür sorgen, dass die nonverbale Kommunikation bei digitalen Texten und in unserer Sprache im Internet nicht zu kurz kommt.

Skater Girl sendet Emojis am Smartphonemartin-dm / E+ / Getty Images
Emoticons sollen im Text als Ersatz für nonverbale Kommunikation dienen.

Wer ist der Emoji-Erfinder?

Fast zwei Jahrzehnte später geht die die Emoji-Geschichte weiter. Der damals 25-jährige Shigetaka Kurita machte den letzten Schritt in der Entwicklung der Emojis. Mit den Emoticons aus Satzzeichen gab sich der japanische Software-Ingenieur nicht zufrieden. Inspiriert von der Mangakultur entwickelte Kurita Ende der 1990er-Jahre 176 Pixelbilder, unter anderem einen Kussmund, eine Glühbirne und weitere Symbole. Und genau damit wurde er zum eigentlichen Emoji-Erfinder! Der Begriff Emoji setzt sich übrigens zusammen aus dem japanischen Wort „e“ für Bild und „moji“ für „Buchstaben“. Bereits seit Anfang der 2010er können wir die bunten Emojis bei WhatsApp, in SMS und E-Mails nutzen.

Shigetaka Kurita ist der Emoji-Erfinder!
Der japanische Software-Ingenieur Shigetaka Kurita ist der Emoji-Erfinder!

Wie geht es mit der Entwicklung der Emojis in Zukunft weiter?

Bis 2015 strahlten alle Personen-Emojis in gelber Hautfarbe. Das hat sich mit der Einführung der sechsstufigen Hauttypskala durch das Unicode-Konsortium vor rund vier Jahren geändert. Seit diesem Meilenstein in der Emoji-Geschichte können wir die Hautfarbe unserer Emojis selbst bestimmen. Doch damit nicht genug in der Entwicklung der Emojis.

Infografik zur Entwicklung der Emojis 1881 bis 2019
Die Entwicklung der Emojis beginnt bereits 1881!

Die Diversifizierung der bunten Comic-Bilder nimmt inzwischen kein Ende mehr. Denn wenn wir die Hautfarbe auswählen können, wollen wir auch Emojis mit roten Haaren. Wollen bei Beruf-Emojis aussuchen können, ob sie Männer oder Frauen sind. Wollen Gender-fluide Emojis. Wollen nicht nur japanisches und italienisches Essen, sondern Gerichte aus jeder Kultur. Klingt nach ganz schön viel, oder? Ist es auch. Die Emoji-Tastatur zeigt sich von ihrer facettenreichen Seite. Und ist mittlerweile ganz schön unübersichtlich. Und genau deshalb testet Google aktuell mit der Beta-Version die rund 53 Gender-fluiden, inklusiven Emojis. So sollen wir als Nutzer eine übersichtliche Emoji-Tastatur nutzen können, die trotzdem Gender-inclusive bleibt. Wie funktioniert der Geschlechter-Übergang für ein Emoji? Manchmal kannst du einfach die Frisur des Emojis verändern, manchmal die Kleidung wechseln. Ganz anders als der Genderswap-Filter von Snapchat, der keinen Geschlechter-Übergang formt, sondern frei nach allen Stereotypen gegenüber Mann und Frau das Geschlecht der fotografierten Person umkehrt.

Noch beschränken sich die Gender-fluiden Emojis auf Google Smartphones. Doch der Wunsch nach einem übersichtlichen und inklusiven Emoji-Angebot beschränkt sich nicht nur auf Pixel-Nutzer. Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Apple und Android User ein Update der Emoji-Tastatur erhalten. Wir sind jedenfalls gespannt, was uns in der Entwicklung der Emojis noch alles erwartet! Und ob wir mit einem Gender-fluiden Update in der Emoji-Geschichte auch noch erfahren, wie man eine männliche Meerjungfrau nennt.