Über soziale Netzwerke bezahlen? Dein Bankkonto mit deinem Facebook Account verknüpfen? Endlich eine digitale Weltwährung haben, die überall gültig ist? Das und vieles mehr möchte Mark Zuckerberg mit Libra bald möglich machen.  

Wenn Facebook seine eigene Währung herausbringt, wird das garantiert kein kleiner Fisch auf dem Finanzmarkt. Der Facebook Manager David Marcus verspricht mit der Kryptowährung „Libra“ nichts weniger als eine globale Währung und Finanzinfrastruktur für Milliarden von Menschen. Dafür gründete Facebook die „Libra Association“ mit Hauptsitz in Genf. Unter den ausgewählten Partnern sind mächtige Firmen wie Visa, Mastercard, PayPal, Ebay, Vodafone, Spotify und viele mehr. Im letzten Sommer waren bereits 28 Mitglieder an Bord. Wenn Libra an den Start geht, sollen es rund 100 sein. 

Das steckt hinter der Facebook Währung 

Die Mitglieder müssen mindestens 10 Millionen US-Dollar in die Allianz investieren, einen Marktwert von 1 Milliarde US-Dollar und ein Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Kunden haben. Das hat unter anderem den Hintergrund, dass, anders als bei Kryptowährungen wie Bitcoin, der Libra mit einem Währungskorb hinterlegt werden soll. Bedeutet: der Coin wird mit verschiedenen nationalen Währungen wie Dollar, Euro, Yen, Pfund und Singapur Dollar teilweise abgesichert. Dadurch, dass das Kryptogeld von wichtigen Weltwährungen gedeckt ist, wird es weniger Kursschwankungen geben als bei Bitcoin und Co. Es soll das erste stabile Kryptogeld geschaffen werden, welches wie die Fiatwährung an unser normales Wirtschaftssystem gebunden ist. 

Deshalb wurde auch der Yuan nach langen Diskussionen aus der Währung ausgeschlossen, da der Libra nach den Währungsmanipulations-Skandalen der chinesischen Regierung unabhängig bleiben soll. Anders als bei anderen Kryptowährungen erstellen die Nutzer auch keine eigenen Libra Coins, sondern kaufen sie über Handelsplattformen bei der Libra Allianz. Facebook Libra nutzt dabei trotzdem, wie auch der Großteil der anderen Kryptowährungen, die berühmte „Blockchain“ Technologie.  

Die gekauften Libra kannst du im eigens von Facebook entwickelten Wallet „Calibra“ speichern. Und mit nur einem Tipp auf dem Smartphone dann über Facebook Dienste wie z. B. WhatsApp grenzüberschreitend bezahlen. Hilfreich ist das Konzept auch für Schwellenländer, in denen viele Menschen ein Smartphone besitzen, aber kein Bankkonto haben. Mit Libra könnten auch Menschen in der dritten Welt ohne Zugang zu hochentwickelter Infrastruktur ihr Vermögen sicher schützen.

Wie risikoreich ist eine Weltwährung von Facebook? 

2020 soll es soweit sein: der Social Media Riese will den Kryptomarkt revolutionieren. Das Vorhaben versetzt Banken sowie Politiker und sogar die Aufsichtsbehörden der EU-Kommission in Alarmbereitschaft. Überall wird befürchtet, dass eine Währung wie Libra das Wirtschaftssystem sowie die Demokratie destabilisieren könnte – vor allem, wenn die Regulierung durch die Bankenaufsicht fehlen würde. Das Thema ist so brisant, dass es mittlerweile bei den größten Wirtschaftsgipfeln wie G7 und G20 auf der Agenda steht. Einige kritische Stimmen behaupten sogar, dass sich Facebook durch Libra zur Zentralbank machen könnte. Im Hinblick auf die Datenskandale der letzten Jahre und die enorme Macht, die Facebook über die privaten Daten von 2,4 Milliarden Nutzern hat, würde Facebooks Libra als „Weltwährung“ den nächsten Schritt hin zum gläsernen Bürger bedeuten. Auch die Angst der Finanzministerien und Währungshüter vor einem Währungsmonopol ist berechtigt. Selbst wenn nur ein Bruchteil der Milliarden Facebook-User mitmachen würde, hätte Libra schon mehr Kunden als alle deutschen Banken zusammen. Kartellbehörden prüfen derzeit, ob die Facebook Währung potenziell wettbewerbswidrig sein könnte und mögliche Konkurrenz in unfairer Weise ausschließt. 

Das sagt Facebook zu Libra

Facebook setzt laut eigener Aussage alles daran, auf mögliche Risikofaktoren einzugehen und kommuniziert offen mit allen Parteien, um die Bedenken auszuräumen. Ein offizieller Sprecher von Facebook gab unter anderem bekannt, dass Facebook mit Libra erst nach der offiziellen Zustimmung der Aufsichtsbehörden starten möchte. Die Kryptowährung soll weder mit nationalen Währungen konkurrieren noch die Geldpolitik der Zentral- oder Notenbanken beeinträchtigen. Ende Juli 2019 warnte Facebook nach lautstarker Kritik von Spitzenpolitikern und Zentralbankchefs seine Investoren sogar, dass man nicht dafür garantieren könne, ob Libra rechtzeitig verfügbar sein wird und dass die Währung möglicherweise gar nicht in Umlauf kommen könne. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, wie es mit dem neuen Stern am Kryptohimmel weitergeht! Es bleibt also spannend …