Das Smartphone ist unser täglicher Begleiter – und mit ihm zahlreiche Apps. Manche helfen uns im Alltag, andere sind ein lustiger Zeitvertreib. Doch sie können viel mehr. Bestimmte Apps können Menschen mit Einschränkungen helfen, die Barrieren des Alltags zu meistern. Sie werden zum digitalen Begleiter für Blinde, Gehörlose oder Menschen in deren Umfeld. Außerdem können sie Kinder mit sprachlichen Entwicklungsverzögerungen spielerisch beim Lernen unterstützen. Das geht zum Beispiel mit der EiS-App: Eine inklusive Sprachlern-App – abgekürzt also EiS. Mit ihr können Kinder auf spielerische Weise das Basisvokabular der Gebärdensprache lernen.

Mithilfe von Apps Gebärdensprache lernen: Die EiS-App macht das möglich.Jovanmandic / iStock / Getty Images Plus / Getty Images
Mithilfe von Apps Gebärdensprache lernen: Die EiS-App macht das möglich.

EiS ist ganz einfach aufgebaut, ohne Ablenkungen oder überflüssige Reize. Die Gebärden werden in vier Elementen dargestellt: einmal als Wort zum Lesen, dann als Symbol zum Sehen, als Audio zum Hören und visualisiert als Video. Damit bietet EiS verschiedene Möglichkeiten für Kinder mit Einschränkungen, die Begriffe zu erlernen. Die Motivation weiter zu lernen, wird dabei durch spielerische Elemente aufrechterhalten.

Clever gemacht, denn der digitale Helfer ist nicht nur auf Kinder mit Einschränkungen fokussiert. Auch deren Mitschüler oder Freunde können Gebärden erlernen und so besser miteinander kommunizieren. Die App eignet sich ebenfalls für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Durch audio-visuelle Darstellung hilft die App sogar geflüchteten Kindern, deren Therapeuten oder Angehörigen beim Spracherwerb. Ganz nebenbei lernen sie auch noch gleich ein paar Gebärden mit.

Die EiS-App hilft nicht nur Kindern mit Einschränkungen: Auch ihre Freunde können dank der Anwendung Gebärdensprache lernen.JGI/Jamie Grill / Getty Images
Die EiS-App hilft nicht nur Kindern mit Einschränkungen: Auch ihre Freunde können dank der Anwendung Gebärdensprache lernen.

Aktuell handelt es sich bei der App noch um einen Prototyp. Ab Juni 2019 plant das Team jedoch, EiS allgemein verfügbar zu machen. Die EiS-App bietet also Kindern mit sprachlicher Einschränkung und ihren Angehörigen eine gute Möglichkeit, dank digitaler Unterstützung schneller und effektiver zu lernen und Hürden des Alltags zu erleichtern. Doch wie kann man blinden Menschen mithilfe von Apps und Technik durch den Alltag helfen?

Das Smartphone als drittes Auge?

Es klingt nach Science-Fiction, aber dank Microsofts „Seeing-AI-App“ wird diese Vision schon jetzt zur Realität. Die künstliche Intelligenz beschreibt nämlich die Welt der Nutzer. Sie liest kurze Texte vor, sobald sie vor der Kamera-Linse des Smartphones erscheinen, sowohl gedruckt als auch handgeschrieben. Außerdem fungiert sie als Barcode-Scanner und vereinfacht dadurch den Einkauf.

Aber die App kann noch mehr: Sie kann sogar Szenen beschreiben, die gerade um den Nutzer herum passieren. Macht man mit der Smartphone-Kamera ein Foto von einer Situation, liefert die künstliche Intelligenz die Beschreibung. Das kann sich zum Beispiel so anhören: „Ein junger Mann sitzt auf dem Sofa und hat einen Laptop auf dem Schoß.“ Darüber hinaus erkennt die künstliche Intelligenz Freunde des Nutzers und kann deren Emotionen erfassen. Ebenfalls liefert die kostenlose App einen tieferen Eindruck in die visuelle Umgebung des Nutzers. Sie kann Farben und Licht beschreiben – und das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Tönen und Klängen. Das hilft ungemein bei der Kleidungswahl oder Ähnlichem. Die App ist zwar kostenlos, bis jetzt allerdings nur in englischer Sprache verfügbar.

Die „Seeing-AI-App” unterstützt blinde Menschen, indem sie ihre Umgebung beschreibt und sogar Texte vorlesen kann.diego_cervo / iStock / Getty Images
Die „Seeing-AI-App” unterstützt blinde Menschen, indem sie ihre Umgebung beschreibt und sogar Texte vorlesen kann.

Ins Kino mit Apps für Blinde und Hörgeschädigte

Barrieren im Alltag existieren fast überall. Allein ein Kinobesuch ist für manch einen mit extremen Schwierigkeiten verbunden. Wie kann man also ein barrierefreies Kinoerlebnis für blinde oder hörgeschädigte Menschen schaffen? Ganz einfach: indem man sich Greta mit ins Kino holt. Greta ist in diesem Fall jedoch keineswegs die nette Tante Greta von nebenan oder verwandt mit dem Klimademo-Teenager. Greta ist barrierefreies Kino für alle. Die App bietet nämlich Untertitel und Audiodeskriptionen für aktuelle Filme, für jeden einfach zugänglich auf dem Smartphone oder Tablet. Damit ermöglicht Greta ein unabhängiges und eigenständiges Kinoerlebnis.

Um den Kinobesuch noch reibungsloser und bequemer zu gestalten, arbeiten die Entwickler der App neuerdings mit „Starks Headsets“ zusammen und entwickelten bereits den Prototyp einer Datenbrille. Diese ermöglicht mithilfe von Augmented Reality den Untertitel im Filmbild mitzulesen. Nach der Prototyp-Phase soll die Brille in Kinos einfach und kostenlos für jeden verfügbar sein.

Solche Programme, seien es Apps für Blinde oder zum Gebärdensprachelernen, sind essenziell für eine inklusive Gesellschaft und eine große Hilfe für uns alle. Sie helfen Menschen, die mit Einschränkungen leben müssen, nicht nur problemfreier durch den Alltag zu kommen. Sie ermöglichen ihnen auch eine bessere Integration in die Gesellschaft. Es sind – es mag vielleicht ein wenig kitschig klingen – wirklich Technologien, die die Welt ein kleines Stückchen besser machen.