Die FogCam ist die älteste ununterbrochen laufende Webcam der Welt. Nach 25 Jahren im Dauerbetrieb sollte sie am 30.08.2019 abgeschaltet werden. Jedoch war das Echo darauf so enorm, dass sich die San Francisco State University dazu durchgerungen hat, sie weiter ihre Bilder senden zu lassen. Aber nicht nur die FogCam hat viel gesehen – wir blicken auf die Geschichte der Webcams und ihre Entwicklung bis heute zurück.

Sie überlebte das Modem-Zeitalter des frühen Internets, stetig steigende Bandbreiten, den Aufschwung des Web 2.0 und auch die bis heute andauernde Ära der Smartphones und Social Media: Bereits 1994 wurde die FogCam von den Studenten Jeff Schwartz und Dan Wong auf dem Campus der San Francisco State University installiert. Immer wieder hat sie ihren Standort gewechselt. Als die Webcam-Pioniere dann die geplante Abschaltung auf Twitter verkündeten, regte sich in der Netzgemeinde lauter Widerstand.

Mit Erfolg: Die San Francisco State University bestätigte in einem offiziellen Statement, die FogCam weiter zu warten und so die Abschaltung zu verhindern. Dabei freut sich die kalifornische Lehranstalt darauf, das Erbe der legendären Webcam fortzusetzen.

Vorbild der FogCam: das Trojan Room Coffee Pot Projekt

Vorbild für die FogCam war die Webcam, die tatsächlich als die allererste der Welt gilt: 1991 wurde sie im „Trojan Room“ der Universität Cambridge aufgestellt und filmte den Füllstand einer unspektakulären Kaffeemaschine. So wussten die in verschiedenen Räumen verteilten Wissenschaftler stets, ob sich der Gang zum flüssigen Wachmacher überhaupt lohnen würde.

Nachdem die Webcam ihre Kaffee-Standbilder dann für zwei Jahre lediglich ins lokale Netzwerk gesendet hatte, wurden sie ab November 1993 auch im World Wide Web gezeigt. Technische Grundlage dafür war die gerade erst von den damaligen Browsern erlernte Fähigkeit, Bilder anzuzeigen. Als die Kamera am 22. August 2001 dann endgültig vom Netz ging, fand immerhin die berühmte Kaffeemaschine noch einen dankbaren Abnehmer: Für einen Preis von 3.350 Pfund ersteigerte sie der Spiegel Online Verlag bei einer eBay-Auktion.

Via Standbild und Videostreaming auf exklusive Orte blicken

Im schnelllebigen digitalen Zeitalter ist es schon eine gefühlte Ewigkeit her: Webcams gaben einem das Gefühl, überall live dabei sein zu können. Sie boten (und bieten noch heute) einen exklusiven Blick auf unzählige Orte, überall in der Welt verteilt. Aber was damals nur Menschen mit einer halbwegs schnellen Internetverbindung vorbehalten war, kann heute jeder von überall mit seinem Smartphone empfangen. Oder mit der integrierten Kamera auch gleich von überall ins Internet streamen. Als die erste kommerzielle Webcam das Licht der Welt erblickte, war die Technik schlichtweg revolutionär.

Connectix QuickCam war erste kommerzielle Webcam

Die erste kommerzielle Webcam wurde 1994 vom US-Unternehmen Connectix als QuickCam auf den Markt gebracht. Für einen Preis von 100 US-Dollar war sie zunächst nur für Apple Macintosh über die serielle Schnittstelle verfügbar. Im Oktober 1995 folgte dann eine PC-kompatible Version, die sich über den Parallel Port an Computer mit Microsoft Windows 3.x und Windows 95 anschließen ließ.

Für heutige Standards lesen sich die technischen Features steinzeitlich, damals war die Technik State of the Art: Die originale QuickCam sendete ihre Bilder noch in schwarz-weiß und lieferte eine Auflösung von 320×240 Pixeln bei einer Farbtiefe von 16 Bit mit 15 Bildern pro Sekunde. Im Jahr 1998 wurde die QuickCam-Produktlinie dann vom bekannten Hardware-Hersteller Logitech übernommen. 2010 hat sie sogar das New York Time Magazine als eines der besten Computergeräte aller Zeiten ausgezeichnet.

Frau nutzt Webcam am Laptop.Ebby May / DigitalVision / Getty Images
In den Neunzigern wurden Webcams zum Videochatten und für Livebilder von verschiedensten Orten genutzt.

Die 90er: das goldene Zeitalter der Webcams

Im goldenen Webcam-Zeitalter der  Neunzigerjahre kamen dann Anwendungen wie das Videochatting in Mode. Steigende Bandbreiten und neue Übertragungsprotokolle boten dafür die Voraussetzung. Auch schossen entsprechende Webcam-Webseiten wie Pilze aus dem Boden. Eine der populärsten präsentierte die „JenniCam“, die von 1996 bis 2003 online war. Was wir heute alle als Big Brother kennen, wurde damals schon zelebriert: Eine Webcam beobachtete die Protagonistin Jennifer Ringley in ihrem alltäglichen Leben. Damals war der Gebrauch einer Webcam als Tagebuchersatz, das sogenannte Lifecasting, noch eine absolute Neuheit.

Daneben gab es zahlreiche Aggregator-Websites, die etliche Live-Videostreams oder auch Bilder von verschiedensten Standorten rund um den Globus bereitstellten. Mit dem Vorteil, dass gestresste Großstädter aus ihren Wohnzimmern auf die exotischsten Strände blicken und zumindest virtuell die ganze Welt entdecken konnten.

Endet die Geschichte der Webcams?

Um die Jahrhundertwende ging die Ära der Stand-alone-Webcams dann langsam zu Ende. Die Technik entwickelte sich weiter und Hardware-Hersteller begannen, die immer kleineren Webcams direkt in Laptops, Bildschirme und andere Geräte zu integrieren. Und weil die zur Verfügung stehende Bandbreite immer größer wurde, änderte sich auch das Anwendungsgebiet: Nach und nach wandelten sich Webcams in normale Kameras, die in jedem Smartphone Bilder machen, Videos aufnehmen oder auch in hoher Qualität streamen können.

Aber totzukriegen sind sie nicht: Auch heute noch leisten sie als Wetter-Webcams nützliche Dienste oder geben als Panorama-Webcams wie eh und je einen breiten Ausblick in die Welt.